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„Der/Die Bürgerinnen- und Bürgermeister/in“

20. März 2019

Der Kampf der Geschlechter

Die Vorwürfe Dutzender Frauen gegen den Produzenten Harvey Weinstein haben eine Debatte ausgelöst, die weit über die Grenzen Hollywoods hinaus geht. Im Oktober 2017 verwendete die Sozialaktivistin Tarana Burke zum ersten Mal das Hashtag #MeToo, um damit auf das Ausmaß von Sexismus und Gewalt von Männern gegenüber Frauen aufmerksam zu machen. Populär wurde das Hashtag schließlich durch die Hollywood-Schauspielerin Alyssa Milano, die betroffene Frauen dazu ermutigte, das Hashtag in ihren sozialen Netzwerken zu verwenden und damit ein Statement zu setzen. Seither wurde #MeToo millionenfach verwendet. Mittlerweile wird das Hashtag auch in der direkten Alltagskommunikation verwendet, um auf die noch viel zu häufig vorherrschende Ungleichbehandlung von Männern und Frauen aufmerksam zu machen. Aber wie weit sollte der „Kampf der Geschlechter“ gehen und ab wann wird es – wenn überhaupt – „lächerlich“?

In einem öffentlichen Brief riefen drei Herren und eine Dame des Dortmunder Vereins Deutsche Sprache am 6. März 2019 wortwörtlich dazu auf, den „Gender-Unfug“ zu beenden. Der so genannte „gendergerechte“ Sprachgebrauch

  1. beruhe auf einem Generalirrtum,
  2. erzeuge eine Fülle „lächerlicher“ Sprachgebilde,
  3. sei nicht konsequent durchzuhalten und
  4. leiste keinen Beitrag zur „Besserstellung der Frau in der Gesellschaft“.

Worin bestehe zunächst einmal der Generalirrtum? Das Autoren-Team, das sich aus Schriftstellern, Journalisten, Lehrern und Ökonomen zusammensetzt, vertritt die Meinung, dass es keinen festen Zusammenhang zwischen dem natürlichen und dem grammatischen Geschlecht gebe; vgl. der Löwe, die Giraffe, das Pferd. Als Beispiele für die so genannten „lächerlichen Sprachgebilde“ führen die Autoren suggestiv Wörter wie „die Luftpiratin“ oder „die Iditiotin“ auf. Auch der Genderstern sei eine regelrechte Farce. Die gendergerechte Sprache sei zudem kaum konsequent durchzuhalten, da auch die konsequente Umsetzung des Genderings nahezu ins Lächerliche übergehen würde. Der Bürgermeister könne sich nicht bei den „Wählerinnen und Wählern“ bedanken, ohne sich dann auch „Bürgerinnen- und Bürgermeister“ zu nennen.

Die Autoren führen einige weitere Beispiele auf, die jedoch so lächerlich erscheinen, dass wir sie hier nicht in aller Ausführlichkeit aufführen möchten. Nicht etwa, weil wir die Meinung der Autoren teilen, sondern weil die Beispiele der Autoren und deren Darstellung nicht nur unsachlich, sondern vor dem Hintergrund der Aussageabsicht vor allem herablassend sind. Herablassend gegenüber einer gesellschaftlichen Bewegung, die nicht erst seit der Einführung des Frauenwahlrechtes 1918 überfällig ist. Die Durchsetzung einer gendergerechten Sprache ist keine „Verzerrung“ oder gar „Verrenkung“ der deutschen Sprache, wie die Dortmunder Autoren meinen, sondern vielmehr ein Prozess der Bewusstmachung.

Sicherlich möchte sich niemand eines Tages dazu verpflichtet fühlen, nur noch von „der/dem Bürgerinnen- und Bürgermeister/in“ zu sprechen, um sich politisch korrekt auszudrücken. Und Formate wie das genannte sind mit Sicherheit auch nicht im Interesse der Gender-Bewegung – hier würden sich vermutlich sogar bei den „Pussy Riots“ die Krallen hochrollen. Und auch unsere Autoren haben im Sinne der Leser- und Leserinnenfreundlichkeit 😉 bewusst auf ein konsequentes „Gendering“ dieses Artikels verzichtet.

Aber darum geht es auch nicht! Niemand möchte die deutsche Sprache „verkorksen“ – es geht darum, Bewusstsein zu wecken. Ein Bewusstsein für die gesellschaftlich injizierte Ungleichbehandlung von Männern und Frauen. Standards sind Standards, weil wir jeden Tag darüber stolpern und sie nicht mehr als Regeln wahrnehmen, die man einhalten sollte, sondern als Normalität. Wenn Frauen und Männer eines Tages tatsächlich völlig gleichberechtigt in der Gesellschaft agieren sollen, müssen wir neue Standards definieren. Wie diese im Einzelfall aussehen, muss diskutiert werden. In jedem Fall ist das Thema nicht so einfach vom Tisch zu kehren, wie es sich die Vertreter des Dortmunder Vereins Deutsche Sprache wünschen.

Feministen wollen nicht die Bibel umschreiben, sondern u. a.:

  • dass keiner mehr „blöd“ guckt, wenn an der Tür des Chef-Büros ein weiblicher Name steht,
  • dass attraktive Mitarbeiterinnen sich keine Kosenamen und andere sexuelle Anspielungen anhören müssen,
  • dass Frauen genau so viel verdienen wie Männer,
  • dass Arbeitgeber im Hinblick auf die Besetzung technischer Berufe ihre Skepsis gegenüber der Qualifikation weiblicher Angestellte ablegen – und eben auch,
  • dass auch Frauen sich in der institutionalisierten Alltagssprache wiederfinden.

Denn derzeit ist das Sprachareal deutscher Gehirne noch auf „männlich“ programmiert. Eine gerechte Anpassung der deutschen Sprache an beide Geschlechter ist ein erster und fundamentaler Schritt in diese Richtung. Überlegen Sie sich daher bitte zwei Mal, ob Sie die Petition des Dortmunder Autoren-Teams unterschreiben oder lieber nicht. Besonders spannend wird es, wenn man bedenkt, dass es neben Männern und Frauen auch zahlreiche doppelgeschlechtliche „Zwischenerscheinungen“ gibt. Wie Sie sehen, ist diese Diskussion noch lange nicht beendet!

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