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Facebook, Twitter und Co.

15. Oktober 2018

Verändern soziale Netzwerke unsere Sprache?

Die Sprache in sozialen Netzwerken ist geprägt von Abkürzungen, Auslassungen und Anglizismen. Hat dies einen nachhaltigen Einfluss auf unseren täglichen Sprachgebrauch? Wenn man heutzutage versucht, mit Menschen aus der Millenniumgeneration zu kommunizieren, geht der direkte Weg meist nur über E-Mails oder WhatsApp. Man verabredet sich mit einem mehr oder weniger aussagekräftigen „Kino?“ zu einem Kinobesuch und verabschiedet sich höflich mit einem „Bg“ (= Bis gleich!). Am Kino angekommen wird dann erst einmal bei Facebook angegeben, in welchem Kino man sich welchen Film ansieht, sodass auch wirklich alle daran teilhaben können: #Filmtitel #megacool. Es scheint fast so, als werde die schriftliche Kommunikation zunehmend kürzer. Heißt das, dass wir in fünf Jahren vielleicht gar keine Buchstaben mehr versenden, um miteinander zu kommunizieren, und Emojis für uns sprechen lassen?

Das Schreiben ist deutlich bequemer, die Nachrichten lesen sich schneller und auch bei der Aussprache gibt es keine Probleme. „LG“, „KA“, „KP“ – ist doch ganz einfach, oder? Unsere Gesellschaft entwickelt sich weiter und mit ihr auch unser Sprachgebrauch. Aber worum geht es hier genau? Geht es darum, Zeit zu sparen? Artikel sind doch die „reinste Zeitverschwendung“, oder nicht? Auch Präpositionen stehen schon lange auf der „Liste bedrohter Wortarten“. Und wer braucht schon Kommata? So richtig wissen die meisten von uns doch sowieso nicht, wo die hingehören. Geht es ums Cool-sein? Oder bekommen wir vielleicht schon gar nicht mehr mit, wie sehr wir mit dieser medienbedingten Sprachkultur verschmelzen? Die Antwort ist noch viel naheliegender und eindeutiger als Sie vielleicht dachten: Abkürzungen machen das Leben einfacher. Oder anders gesagt: Wir sind einfach zu faul, um es anders zu machen.

Warum „ich habe“ schreiben, wenn man auch „ich hab“ schreiben kann und genau so gut verstanden wird? Selbst beim Ausschreiben von Zahlen sind wir bequem: „36K“ lässt sich so viel schneller eintippen als „36.000“. Und es geht noch besser: Teilweise bilden wir sogar Wörter aus Zahlen, etwa „Gute N8!“. Gar nicht so übel, oder? Ach ja, und der Klassiker: Dass die unbestimmten Artikel „ein“ und „eine“ gerne einmal durch „‘n“ oder „‘ne“ abgekürzt werden, ist ja nichts Neues. Der Haken dabei ist, dass diese charmante Abkürzung völlig beliebig – ungeachtet der erforderlichen Deklination – umgesetzt wird. Das ist „‘nen“ bisschen ungünstig… Was aber lässt uns glauben, dass diese „chronische Schreibfaulheit“ legitim wäre? Naja, Facebook, Twitter und Co. geben uns ja quasi keine andere Wahl. Alles Wichtige in 280 Zeichen verpacken und dabei den Kern der Nachricht treffen. Das ist ein lyrisches Kunststück.

Ein sprachliches Mittel, das mit diesem Ansatz einhergeht, sind Anglizismen. Sachverhalte, die wir im deutschen oftmals nur mit unschönen Hypotaxen umschreiben können, sind im Englischen schnell durch einen Begriff zusammengefasst. Durch die improvisierte Einbettung in die deutsche Grammatik kommt es aber auch wieder zu einer grammatikalischen Beliebigkeit, die keine Grenzen kennt. Aber sind es wirklich die sozialen Medien, die unsere Sprache prägen, oder sind die sozialen Medien nicht mehr als ein Abbild unserer neuen „globalen und digitalisierten“ Welt? Und wenn dem so ist: Sind unsere Millennials wirklich bereit für diese neue Sprachwelt? Wir hatten bis zu den 90er-Jahren wenigstens noch die Möglichkeit, eine Welt jenseits einer Realität kennenzulernen, in der alles schnell und möglichst automatisiert ablaufen muss. Für die „Digital Natives“ ist dies Alltag und Normalität – und das trotz der Tatsache, dass viele von ihnen noch nicht einmal über eine vollständig entwickelte Sprachsicherheit verfügen.

Auf welche Konsequenzen müssen wir uns gefasst machen? Wird „kurz und einfach“ schon bald auch der Benchmark für schulische und Geschäftskommunikation? Wichtig ist, dass man nicht vergisst, wodurch die sozialen Medien so stark geworden sind und welche Rolle sie in unserem Alltag einnehmen. Sprachwissenschaftler behaupten, soziale Netzwerke würden keine eigene Sprache generieren, sondern eine bereits existierende Sprache einfach nur sichtbar machen. Denn soziale Medien dienen vor allem der Nachahmung der mündlichen Kommunikation – je repräsentativer, desto sympathischer. Ein „LOL“ repräsentiert die situative Emotionalität einfach wesentlich besser als die Aussage, dass etwas gerade sehr witzig ist. Soziale Medien machen Sprache lebendig. Die Akzeptanz einer parallelen Sprachwelt in den sozialen Netzwerken setzt aber auch voraus, dass insbesondere junge Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln, welche Sprache in welcher Kommunikationssituation angemessen ist. Forscher behaupten, dass die deutsche Sprache durch die sozialen Medien nicht aussterbe, sondern sich vielmehr ausdifferenziere. Könnte es tatsächlich sein, dass wir es nicht mit einer zunehmenden Sprachinsuffizienz zu tun haben, sondern vielmehr mit einer steigenden Sprachkompetenz? Fakt ist „kurz und einfach“ funktioniert – und das bisher ziemlich gut.

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