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Vom Muttersprachenmonopol bis hin zur emotionalen Überforderung

14. Februar 2018

Vier Mythen über Mehrsprachigkeit

Obwohl Mehrsprachigkeit schon seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist, sorgt das Thema immer noch für viele Kontroversen. Aus Sicht der Sprachwissenschaftler existiert „die Sprache“, wie etwa „das Deutsche“, im Prinzip gar nicht mehr. Stattdessen spricht man aus sprachwissenschaftlicher Sicht von sprachlichen Teilsystemen. Solche Teilsysteme sind z. B. der Wortschatz, das Lautinventar, Regeln für die Bildung von Wörtern und Sätzen sowie auch Regeln für den allgemeinen Sprachgebrauch. Das Zusammenspiel dieser Sprachkategorien sorgt dafür, dass wir im Alltag als sprachfähige Wesen funktionieren.

Der Mensch verfügt aus sprachwissenschaftlicher Perspektive nicht nur über verschiedene sprachliche Wissenssysteme (z. B. Deutsch, Türkisch, Hessisch, Fachsprachen), sondern kann auch beliebig zwischen unterschiedlichen sprachlichen Registern hin und her switchen. Solche sprachlichen Register sind z. B. Fachsprachen und Schriftsprachen, aber auch Umgangssprachen. Den Erwerb der unterschiedlichen sprachlichen Teil- und Wissenssysteme sowie die Kompetenz, auf unterschiedliche Register zurückzugreifen, führen die Sprachwissenschaftler unmittelbar auf die Art und Weise des Spracherwerbs zurück.

Man unterscheidet zwischen Kindern, die mit Deutsch als Muttersprache aufwachsen, und Kindern, die von Geburt an zwei oder mehr Sprachen erwerben. Einen dritten Sprachtyp bilden Kinder, die relativ früh in ihrer Entwicklung Deutsch als Zweitsprache erwerben – etwa mit dem Eintritt in die KiTa. Die so genannten „Kontaktmonate“ mit der deutschen Sprache fallen dementsprechend unterschiedlich aus und fungieren als Indikator für die Qualität des jeweiligen Spracherwerbs.

Die Sprachexpertinnen Jun.-Prof. Dr. Barbara Geist von der Universität Leipzig sowie Prof. Dr. Petra Schulz und Barbara Voet Cornelli (M. A.) von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main haben vier Mythen zum Thema Mehrsprachigkeit aufgedeckt.

  1. Mehrsprachigkeit überfordert Kinder: Insbesondere im frühen Kindesalter sind Kinder in der Lage, in kürzester Zeit mehrere Sprachen zu erwerben. Grund hierfür ist, dass Kinder genetisch bedingt über effektive Spracherwerbsmechanismen verfügen. Kinder, die beispielsweise Russisch oder Türkisch als Erstsprache lernen, beherrschen die Grundstruktur deutscher Sätze bereits nach sechs Monaten. Damit erreichen sie diesen Entwicklungsschritt sogar früher als Kinder mit Deutsch als Muttersprache. Diese erreichen diesen Stand nämlich erst nach dem zweiten Lebensjahr. Kognitive und emotionale Komponenten sind für den Spracherwerb eher zweitrangig. Mehrsprachigkeit ist also keine Überforderung, sondern vielmehr ein „Sprachenkatalysator“, der von Geburt an gefördert werden sollte.
  2. Mehrsprachige Kinder lernen keine Sprache richtig: Sprachmischungen werden oftmals als sprachliches Defizit gewertet. Bei Kindern sind sie lediglich Ausdruck eines natürlichen Übergangs, bei Erwachsenen sind sie Ausdruck eines persönlichen Sprachstils, der beliebig variiert werden kann. Für die Sprache von Jugendlichen spielen Peer Groups und Gruppenzugehörigkeiten eine entscheidende Rolle. Da mehrsprachige Menschen in der Regel nicht für alle Sprachen gleichermaßen optimale Erwerbssituationen forcieren können, setzt sich mit der Zeit eine „dominante Sprache“ durch. Mehrsprachigkeit bedingt demnach keine Defizite, sondern vielmehr sprachliche Variabilität.
  3. Zunächst muss ein Kind seine Muttersprache beherrschen, bevor es eine andere Sprache lernen kann: Die Fähigkeit, eine Sprache auf muttersprachlichem Niveau zu lernen wird mit dem Alter immer schwieriger. Umso wichtiger ist es daher, dass Kinder so früh wie möglich in Kontakt mit der Zweitsprache kommen. Dies impliziert, eben nicht erst darauf zu „warten“, bis das Kind die Regeln der Erstsprache einwandfrei beherrscht, zumal dieser Zeitpunkt unmöglich zu ermitteln wäre.
  4. Auch nicht-deutsche Eltern sollen mit ihren Kindern mehr Deutsch sprechen: Meist mangelt es den Eltern von Kindern, die Deutsch als Zweitsprache lernen, selbst an der nötigen Sprachpraxis. Dadurch sind sie nicht wirklich in der Lage, ihren Kindern die ideale Sprachumgebung zu bieten. Diese Eltern sollten hingegen darin bestärkt werden, in der jeweiligen Muttersprache mit ihren Kindern zu kommunizieren, da sie nur so als wertvolles sprachliches Vorbild fungieren können. Im Hinblick auf den Erwerb von Deutsch als Zweitsprache sollten nicht-deutsche Eltern ihren Kindern die Relevanz des Erwerbs der deutschen Sprache verdeutlichen, sie zum Lernen der deutschen Sprache motivieren und den frühzeitigen Eintritt in die KiTa in die Wege leiten.

Geist, Schulz und Voet Cornelli konnten aufzeigen, dass die Mythen über Mehrsprachigkeit längst durch neueste Erkenntnisse aus der Sprachforschung entkräftet wurden. Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass die Verbindung von Wissenschaft und Praxis die wichtigsten Akteure in der Sprachumgebung deutscher und nicht-deutscher Kinder erreicht.

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