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Anglizis-Muss?

7. Oktober 2017

Können die Deutschen überhaupt noch ohne Anglizismen miteinander kommunizieren?

Die deutschen Begriffe Dienstleistung, Besprechung, Personalverwaltung oder auch Tagebuch klingen nett, aber noch lange nicht so gut und mittlerweile vor allem nicht mehr so geläufig wie Service, Meeting, Human Resources Management oder Blog. Okay, die deutschen Begriffe klingen etwas unelegant und vielleicht auch etwas altbacken, aber sie funktionieren, d. h. jeder weiß, was mit ihnen gemeint ist. Wozu dann all die englischen Wörter im deutschen Sprachgebrauch? Können wir etwa nicht mehr anders?

Es kann doch eigentlich nichts geben, das man nicht auch in der deutschen Sprache ausdrücken könnte. Englische Begriffe sind – im Gegensatz zu deutschen – allerdings meist mehr catchy als deutsche – okay, im Komparativ wird es schwierig. In einem sind sich die meisten jedoch einig: Englische Begriffe klingen meist nicht nur viel „geschmeidiger“ als deutsche, sondern sind oftmals auch eher on point. Die Werbeindustrie hat diesen Effekt schon vor Jahrzehnten erkannt. In nahezu alle Fernseh- und Radiospots wimmelt es nur so von Anglizismen: Eyeliner, Fashion, Lifestyle…. Aber die „Anglifizierung“ der deutschen Sprache beginnt auch schon auf konzeptioneller Ebene: Marketing, Brainstorming, USP….

Ist die deutsche Sprache denn noch zu retten? Oder besser gefragt: Muss die deutsche Sprache überhaupt gerettet werden? Finden Sie beispielsweise auf Anhieb eine deutsche Entsprechung für Crowdfunding? Keine Ahnung? Und selbst, wenn: Würde der deutsche Begriff ebenso zum Spenden motivieren wie der Anglizismus? Schwarmfinanzierung? Da müssen Sie doch selbst schmunzeln, oder? Der Tatsache, dass es sich um eine webbasierte Finanzierungsmaßnahme handelt, wird bei Letzterem z. B. gar nicht gerecht. Crowdfunding wurde im Jahr 2012 jedenfalls zum Anglizismus des Jahres ernannt.

Würden sich genau so viele User, pardon, Benutzer in einer internetbasierten Gemeinschaft anmelden wie in einer Online Community? Viele Ausländer, die Deutsch als Fremdsprache lernen, merken an, dass Deutsch eine sehr „harte“ Sprache sei. Im Internet kursieren unzählige Videos, die den „kantigen“ Klang der deutschen Sprache nahezu zur Komödie machen. Ist die deutsche Sprache etwa nicht „schön“ genug, um im Alltag zu bestehen? Und wie viel hat die Digitalisierung unseres beruflichen und privaten Alltages mit der „Vorherrschaft der englischen Terminologie“ zu tun?

Anatol Stefanowitsch, Professor für englische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin, sieht die „Anglifizierung“ der deutschen Sprache nicht etwa als Problem, sondern als evolutionären Prozess, der angesichts unseres digitalen Zeitalters unvermeidbar bzw. sogar notwendig sei. Bereits seit dem Jahr 2010 bemüht sich Stefanowitsch um ein positiveres Image von Anglizismen. In diesem Sinne ruft er jedes Jahr zur Wahl des Anglizismus des Jahres auf. Diese Auszeichnung begreift die Verwendung von Anglizismen in der deutschen Sprache nicht etwa als sprachlichen Verfall, sondern als Wachstum und Weiterentwicklung des Deutschen.

Auch Sie müssen gestehen, dass Anglizismen im deutschen Sprachgebrauch nicht selten Lücken füllen, die wir alternativ nur auf sehr unelegante und umständliche Weise füllen könnten: Wie kann ich im Deutschen ausdrücken, dass ich ein Selfie machen möchte? Dazu müsste ich zunächst einmal wissen, was die richtige Übersetzung für Smartphone ist, oder? Die geläufigsten Anglizismen stammen überproportional aus der Sprachwelt der sozialen Medien. Wird die zunehmende Digitalsierung dadurch etwa zum Katalysator der „Anglifizierung“ des deutschen Sprachgebrauchs. Und, was noch viel wichtiger ist: Sollte man etwas dagegen tun?

Quatsch! So genannte Lehnwörter (aus fremden Sprachen) finden immer dann Zugang zu einer Sprache, wenn es zu gesellschaftlichen Veränderungen kommt. Diese können z. B. digitaler oder technologischer Art sein; sie können aber auch aus der Entwicklung neuer sozialer und kultureller Praktiken resultieren. Und diese brauchen eine Bezeichnung! Warum also nicht Begriffe aus einer anderen Kultur „leihen“, die bereits Bezeichnungen für die jeweiligen Veränderungen etabliert hat? Durch die Übernahme von Begriffen aus anderen Sprachen kann sich eine Sprache nicht nur besser an aktuelle Entwicklungen anpassen, sondern bleibt angesichts der gesellschaftlichen Dynamik vor allem „brauchbar“.

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